30. November 2015
Praxisworkshop: Waldflurbereinigungen – Überblick und Erfahrungen
Fachhochschule Erfurt

Hintergrund:
Kleinparzellierter Privatwald mit Parzellengrößen unter 5 ha existiert in Thüringen auf einer Fläche von über 100.000 ha. Vielfach ist den Eigentümern die Lage ihrer Flächen nicht bekannt. Hinzu kommen ungeklärte Eigentumsverhältnisse bei einer großen Anzahl von Waldgrundstücken. Beides führt zu erheblichen Wirtschaftserschwernissen bis hin zur Nichtbewirtschaftung. Die Beseitigung von Schadereignissen und die Abwehr von Kalamitäten sind unter diesen Bedingungen vielfach auch nicht mehr möglich. Waldflurbereinigungsverfahren tragen durch Eigentümerermittlung, Zusammenlegung (u. a. zu gemeinschaftlichem Eigentum) und Verkauf von unrentablen Kleinstflächen an Dritte zu einer Mobilisierung des ungenutzten Holz- und Flächenpotenzials im Privatwald und zur langfristigen Verbesserung des Waldzustandes bei.

Der Workshop gab vielseitige Einblicke in das Thema Waldflurbereinigung. Die verschiedenen Verfahren, welche nach dem Flurbereinigungsgesetz möglich sind, wurden durch die Präsentation bereits erfolgreich durchgeführter Waldflurbereinigungsverfahren in Thüringen sehr anschaulich dargestellt. Weitere Erfahrungen, Erwartungen und Anregungen aus der Praxis rundeten die Veranstaltung ab. Die hohe Teilnehmerzahl war ein Indiz für die Brisanz des Themas, auch über Thüringen hinaus.

Fazit:

  • Die verschiedenen Verfahren der Waldflurbereinigung sind notwendige, geeignete und erfolgreiche Instrumente der Landentwicklung zur Neuordnung der Besitzverhältnisse im Wald.
  • Die Ansprüche an die Waldflurbereinigung sind primär: einfach, schnell und kostengünstig.
  • Der monetäre Nutzen der Waldflurbereinigung übersteigt bei weitem die entstehenden Kosten (Verfahrenskosten trägt das Land).
  • Der “Thüringer Weg” ist ein beschleunigtes Zusammenlegungsverfahren (Dauer: 4 – 6 Jahre) und damit einhergehend die Gründung, Wiederbelebung oder Stärkung von Waldgenossenschaften. Möglich wird der “Thüringer Weg” durch die besonderen Regelungen für Waldgenossenschaften im 8. Abschnitt des Thüringer Waldgesetzes. Vergleichbare Regelungen bestehen nur noch in Nordrhein-Westfalen. Die Methode hat sich in der Praxis bewährt und wird ständig weiterentwickelt.
  • Forstbetriebsgemeinschaften tragen u.a. zur finanziellen und gesellschaftlichen Stärkung des ländlichen Raumes bei.

Veranstaltungspartner der ALR waren die FH Erfurt, das TMIL, der Waldbesitzerverband Thüringen e. V. und ThüringenForst.

Weitere Informationen und Downloads:

Flyer zum Praxisworkshop: Waldflurbereinigungen
- Überblick und Erfahrungen -
PDF 2,1 MB
Die Entwicklung der Waldflurbereinigung in Thüringen
Claus Rodig, TMIL, Referat 54
PDF 683 kB
Waldflurbereinigungen – Überblick und Erfahrungen, Wertschöpfungspotenziale durch Waldflurbereinigungen
Prof. Dr. Karl-Heinz Thiemann
PDF 1,2 MB

Download zur Dissertation von Silvia Arabella Hinz: Ganzheitliches Wertschöpfungsmodell der Waldflurbereinigung und deren Effizienzsteigerung

Freiwilliger Landtausch nach § 103a FlurbG Gerterode
Karin Löffler, Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Gotha
PDF 2,1 MB
Freiwilliger Landtausch mit Gründung einer Waldgenossenschaft in Gerterode im Eichsfeld
Karin Löffler, Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Gotha
PDF 101 kB
Der Thüringer Weg – Das beschleunigte Zusammenlegungsverfahren nach § 91 FlurbG i. V. m. der Bildung einer Waldgenossenschaft
Andreas Harnischfeger, Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Meiningen
PDF 3,9 MB
Die Analyse von Rasterdaten für die Flurbereinigung
Andreas Harnischfeger, Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Meiningen
PDF 2,4 MB