Erstes Dorf- und Landgespräch hinterlässt bleibenden Eindruck und viele Ideen
Erstes Dorf- und Landgespräch hinterlässt bleibenden Eindruck und viele Ideen
Am 12.02.26 kamen im prunkvoll sanierten Saal des Gasthaus zur Sonne in Schweina über 100 Akteure aus dem ländlichen Raum zusammen, um über die Zukunft ihrer Dörfer zu sprechen. Im Rahmen des Themenjahres der Akademie Ländlicher Raum, welches sich mit der Nachnutzung leerstehender Gebäude beschäftigt, wurde über die Bedeutung von Begegnungsräumen für die soziale Dorfentwicklung gesprochen.
Staatssekretär Malsch machte in seinem Grußwort klar, dass es maßgeblich um das „Drei M-Prinzip“ geht: durch Eigeninitiative und kluge Ideen der Mutmacher vor Ort viele Mitmacher zu gewinnen und am Ende möglichst wenige Miesmacher zu haben. „Wenn Menschen sich auf den Weg machen wollen, werden wir diese Initiativen auch unterstützen“, so Malsch. „Die beste Kenntnis zu Problemlagen und Herausforderungen liegt vor Ort. Durch regelmäßige Zukunftsstammtische können die notwendigen Strategien und Schritte zur zukunftsfähigen Gestaltung des Dorfes zusammengetragen und in Form gebracht werden. Gute Beispiele gibt es in Thüringen viele.“
Vier solcher gelungenen Projekte wurden durch die Initiatoren im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt. Das Kulturhaus Neukirchen, das durch die Gründung einer Bürgergenossenschaft gerettet und wiederbelebt wurde und, getragen durch die Bewohnerinnen und Bewohner, eine Vielzahl an kulturellen Veranstaltungen und Möglichkeiten des Zusammenkommens schafft. Die Nachnutzung der Grundschule in Westenfeld, wo unzählige kreative und besondere Angebote insbesondere für Kinder und Jugendliche aus der Region geschaffen wurden und zeigt, dass das Ende einer Nutzung auch den Beginn von etwas Neuem, für die Gemeinschaft sehr Wertvollem bedeuten kann. Die Sanierung des Gasthaus zur Sonne, in dessen Saal die Veranstaltung stattfinden durfte, stellt ein weiteres Beispiel für das Engagement Einzelner zur Aufwertung eines Ortes dar. Nach jahrelangem Leerstand des geschichtsträchtigen Gebäudes erfolgte der Erwerb und Modernisierung des Objektes durch Jörg Pfannstiel, es erfolgte die Sanierung des Tanzsaals im neobarocken Stil aus dem Jahr 1906, der jetzt für die Ortsgemeinschaft und Veranstaltungen darüber hinaus zur Verfügung steht. Auch die Hofgemeinschaft des Gutshofs auf dem Clausberg schaffen mit Ihrem Handeln einen Mehrwert für den Ort. Die Sanierung einer großen Hofstelle mit ökologischer Bauweise und eigenem handwerklichen Know-How, die Bündelung von vier verschiedenen Handwerksunternehmen, ökologische Landwirtschaft zur Selbstversorgung sowie die Öffnung des Hofes für das Zusammenkommen aller Dorfbewohner machen dieses Projekt zu etwas Besonderem.
Eines haben die vier Projekte gemein: nur durch den Einsatz und die Eigeninitiative vieler Menschen, die unzählige ehrenamtliche Stunden ihrer Freizeit dafür geben, dass Gemeinschaft funktionieren kann, können Dörfer belebt werden und zukunftsfähig bleiben. Die Inspiration, die diese Menschen geben, ist im Saal deutlich spürbar.
Ebenso inspirierend ist die Arbeit der LeerGutAgentinnen Thüringen, vorgestellt von Katrin Hitziggrad. Das Thüringer Netzwerk zur Belebung von Leerstand unterstützt Aktive und Interessierte bei der Entwicklung leer stehender Häuser – von der Idee zum Projekt. Schon viele beachtliche Sanierungsprojekte konnten durch die Unterstützung der LeerGutAgentinnen auf den Weg gebracht werden, z.B. der Kulturhof Kleinmecka, das Schloss Tonndorf, die alte Bäckerei in Rauda und der Speicher in Oßmannstedt.
Beim anschließenden Zusammenkommen aller Teilnehmenden entstanden interessante Gespräche und viele Ideen und Fragen konnten besprochen werden. Die Vorfreude auf das nächste Dorf- und Landgespräch der Akademie Ländlicher Raum ist groß.