Neue Dorfentwicklungs-Strategie
Neue Dorfentwicklungs-Strategie
Das Konzept setzt auf multifunktionale Dorfzentren, professionelle Begleitung und Eigeninitiative aus den Regionen
Mit einer neuen Strategie zur Entwicklung lebendiger Dorfzentren will das Thüringer Landwirtschaftsministerium den ländlichen Raum stärken. Unter dem Arbeitstitel „Dorf der Zukunft“ gehe es dabei um den Aufbau multifunktionaler Einrichtungen, die – je nach Bedarf vor Ort – Angebote für Nahversorgung, Gesundheit, Beratung, Mobilität oder sozialen Austausch miteinander verknüpfen. Landwirtschaftsministerin Colette Boos-John stellte erste Grundzüge des Konzepts in Erfurt zum Abschluss ihrer Sommertour „Leute.Machen.Land – Die Landleben-Tour“ vor.
Ihre Tour hatte die Ministerin in den vergangenen zwei Wochen zu rund 30 Stationen im ländlichen Raum in ganz Thüringen geführt. Die dabei in einem „Tour-Buch“ gesammelten Vorschläge, Ideen und Forderungen der Akteure vor Ort sollen nun in die weitere Ausarbeitung der Zukunftsstrategie für den ländlichen Raum einfließen. Das Konzept knüpft an die im Koalitionsvertrag vereinbarte Idee der „Thüringen-Läden“ an, entwickelt diese jedoch zu einem umfassenden Konzept multifunktionaler Dorfzentren weiter.
„Eine lebendige Dorfgemeinschaft braucht Kristallisationspunkte, an denen Menschen zusammenkommen, ihre täglichen Bedarfe decken, Dienstleistungen nutzen und den Austausch pflegen können. Solche multifunktionalen Dorfzentren wollen wir künftig gezielt unterstützen. Dabei geht es nicht um ein Modell von der Stange, sondern um passgenaue Lösungen, die sich an den konkreten Rahmenbedingungen und den Bedürfnissen der Menschen vor Ort orientieren“, sagte Boos-John.
Nach den Vorstellungen des Ministeriums sollen vorhandene Angebote zur Dorfentwicklung und Dorferneuerung künftig stärker miteinander verknüpft werden. Je nach lokaler Situation können dazu beispielsweise Dorfläden, soziale Treffpunkte, digitale Verwaltungsangebote, Gesundheits- und Beratungsleistungen, Mobilitätsangebote oder Räume für Vereine gehören. Dabei verfolgt das Konzept einen modularen Ansatz, bei dem jede Gemeinde die Bausteine nutzen kann, die zu ihrer jeweiligen Situation passen.
Ein wichtiger Bestandteil des neuen Konzepts werden zudem sogenannte „Prozess- und Zukunftsbegleiter“ sein. Sie sollen Kommunen, Vereine und Initiativen langfristig und professionell dabei unterstützen, die konkreten Bedarfe vor Ort zu ermitteln, Partner zusammenzubringen, geeignete Fördermöglichkeiten zu erschließen und aus ersten Ideen erfolgreiche Projekte zu entwickeln. Die „Akademie Ländlicher Raum“ im Landwirtschaftsministerium soll diese Begleiter künftig qualifizieren und fachlich begleiten.
Die Ministerin zog zugleich eine positive Bilanz ihrer Sommertour. An den verschiedenen Stationen sei deutlich geworden, dass es in den ländlichen Regionen nicht an Ideen und Engagement fehle, sagte Boos-John. Immer wieder seien jedoch lange Genehmigungsverfahren, komplizierte Förderbedingungen, fehlende Planungssicherheit und der Wunsch nach einer besseren Vernetzung bestehender Angebote und Akteure angesprochen worden. Die Sicherung der Nahversorgung, flexible Mobilitätsangebote, verlässliche Förderstrukturen und die Unterstützung des Ehrenamts seien Themen, die auf der Agenda des ländlichen Raums ganz oben stünden.
„Die Sommertour hat gezeigt: Gute Ideen gibt es in unseren Dörfern erfreulicherweise viele. Häufig scheitern Projekte nicht am Engagement der Menschen, sondern an komplizierten Verfahren, fehlender Vernetzung oder daran, dass es an Kontinuität in der Umsetzung fehlt. Genau an solchen Punkten wollen wir künftig stärker unterstützen“, sagte Boos-John.
Die Strategie für das „Dorf der Zukunft“ solle in den kommenden Monaten deshalb gemeinsam mit der Akademie Ländlicher Raum und weiteren Ressorts weiter konkretisiert werden, kündigte die Ministerin an. Anschließend sollen interessierte Kommunen für eine Pilotphase gewonnen werden, die bereits 2027 starten solle. Nach Auswertung der Erfahrungen ist vorgesehen, den Ansatz schrittweise auch auf weitere interessierte Gemeinden zu übertragen.
„Die Zukunft unserer Dörfer entscheidet sich nicht durch Förderprogramme, sondern dadurch, dass sich Menschen engagieren, Ideen entwickeln und gemeinsam ihre Heimat gestalten“, sagte Boos-John. „Unsere Aufgabe als Land ist es, dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen.“